Artikel in der Vereinszeitung “Zahnrad” 17 vom März 2014
Kleine „Schweizer Degen“ bei AntiRost
Zu AntiRost kommen, wie schon im vorigen Jahr, wieder Schüler der siebten Klasse der Freien Waldorfschule und lernen die „Schwarze Kunst“ kennen. Dienstags und donnerstags verlegen immer zwei Schüler oder Schülerinnen ihren Schulunterricht in die kleine Buchdruckerei bei AntiRost. Erst wird über Johannes Gutenberg, den „Erfinder des vergangenen Jahrtausends“, seine grundlegende Erfindung, das Gießen einzelner Buchstaben in Blei gesprochen.
Zahnrad 17 Bleisatz Dann legt jeder sein Manuskript auf den Tisch und sucht sich aus unserm Schriftmusterbuch eine Schrift und den Schriftgrad aus. Wenn der Winkelhaken eingestellt ist, kommt der Setzkasten auf den Tisch. Jetzt beginnt das Suchen der Buchstaben – eine Schablone ist dabei behilflich. Wie müssen die Buchstaben in den Winkelhaken gestellt werden? Die erste Zeile ist sehr mühselig zu setzen, aber plötzlich geht es immer schneller. Wenn ein Gedicht oder ein Spruch gesetzt ist, wird die Seite mit der Kolumnenschnur ausgebunden, um einen Eierkuchen zu vermeiden.
Jetzt kommt der Buchdruck an die Reihe. Die Druckform wird in einem Rahmen geschlossen und in den Boston-Tiegel gehoben. Die Spannung steigt, wie sieht der Satz auf dem Papier aus, der bis dahin auf dem Kopf stand. Hoffentlich hat sich kein Fehler eingeschlichen. Wenn alles in Ordnung ist, beginnt der Fortdruck. Die Auflagen sind klein: je ein Blatt für den Lehrer, für die Eltern, Freunde und einige für die Reserve.
Beim späteren Betrachten des bedruckten Blattes können die Schüler sagen: „Den Text habe ich wie der Schriftsetzer im Bleisatz gesetzt und wie der Buchdrucker auf einem Boston Tiegel gedruckt. Bei der Gelegenheit habe ich auch zwei sehr alte Berufe kennengelernt, für die heute nicht mehr ausgebildet wird“.
Dass es den meisten Kindern Spaß gemacht hat, sagen die Zahlen: von 32 Schülern und Schülerinnen sind 22 noch ein zweites Mal gekommen.

Text und Foto: Friedhelm U.

Artikel in der Vereinszeitung “Zahnrad”  Nr. 09 vom 18. Dezember 2010
Der Boston-Tiegel ist eingetroffen.
 
Vor eineinhalb Jahren begannen wir Jünger Gutenbergs mit dem Aufbau einer Schriftsetzerei. Den Großteil der Satzregale und Schriftkästen bekamen wir aus der Wilhelm-Bracke-Schule. Wir konnten bisher Schriftsatz aus Bleilettern herstellen, aber nicht im Buchdruck drucken. Dieses Problem hat ein großzügiger Spender für uns gelöst. Herr Detlef Gärtner aus Wendessen hat uns seinen Boston-Tiegel mit Zubehör als Dauer-Leihgabe zur Verfügung gestellt. Für diese Großzügigkeit möchten wir Herrn Gärtner ganz herzlich Danke sagen.
Der Boston-Tiegel, hergestellt von der Kamenzer Masch-inenfabrik, Gebrüder Heidsieck, in Kamenz (Sachsen) dürfte über 100 Jahre alt sein und befindet sich in einem einwandfreien Zustand. Der erste Probedruck konnte ohne Probleme getätigt werden. Jetzt sind Schüler an der Reihe, denen wir das große Erbe von Johannes Gutenberg übermitteln wollen. Welcher Schriftsetzer und Buchdrucker hat Lust und gelegentlich Zeit, uns bei diesem Vorhaben mit Rat und Tat behilflich zu sein?
 
Text und Foto: Friedhelm Uhlenhut

Artikel in der Vereinszeitung “Zahnrad”  Nr. 08 vom 15. Oktober 2010
Buchdruck bei AntiRost
Vor einem Jahr berichteten wir, dass die „Jünger Gutenbergs“ tätig sind und eine kleine Buchdruckerei einrichteten. Die Setzereigasse mit ca. 70 Setzkästen, in denen Schriften von 5 Punkt (1,88mm) bis 20 Cicero (90,29 mm) liegen und stecken, sind „entfischt“ und von „Bleiläusen“ befreit.
Es fehlt uns noch immer ein BOSTON-TIEGEL, wir verfügen über eine „Abziehnudel“, mit der man einzelne Abzüge druckt und den Schülern damit den Buchdruck erklären kann. Deshalb: Wer weiß wo noch ein BOSTON-TIEGEL steht, er muss auch nicht unbedingt 100% in Ordnung sein. Wir wollen den Buchdruck erhalten und unser Erfahrungswissen den Jugendlichen mit auf den Weg geben.
Ein herzliches „Gott grüß die Kunst“. Friedhelm Uhlenhut

Text und Foto: Friedhelm Uhlenhut

Zurück Bereich Buchdruck