Ein Hoch auf die Zusammenarbeit!

Geschichtsunterricht an der Waldorfschule
Im 7. Schuljahr setzen sich die Schülerinnen und Schüler an der Freien Waldorfschule Braunschweig im Rahmen des Geschichtsunterrichts mit der Erfindung des Buchdrucks auseinander, besonders mit Johannes Gutenberg und seiner Jahrtausend-Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern.
Durch die Möglichkeit des Drucker-Praktikums bei AntiRost konnte der Unterricht eine wertvolle praktische Ergänzung erfahren. Jeweils zu zweit wurden die Jungen und Mädchen morgens von Herrn Uhlenhut in Empfang genommen, um in seiner Obhut fachkundig angeleitet einen Vormittag gänzlich neue Erfahrungen in gleich zwei alten und ehrwürdigen Handwerken machen zu können. Nicht ohne Stolz legten sie mir anschließend ein Exemplar ihrer Drucke vor und berichteten bereitwillig über ihre Erlebnisse fernab des gewohnten Lernumfeldes.

Pädagogische Gedanken
Ich als Pädagogin freue mich über die Möglichkeit geglückter Verquickung von Lernen mit Kopf, Herz und Hand, die das Praktikum bei AntiRost möglich macht. Es erfordert vorab schon Mut, sich auf den Weg hin zu einem unbekannten Lehrmeister in seinem Arbeitsumfeld zu machen und dort Dinge zu tun, von denen man nicht genau weiß, ob man ihnen gewachsen sein wird. Und dann ist da natürlich die Gelegenheit, ein  Handwerk, von dem im Unterricht zu hören war, nun hautnah zu erleben. Der feine Geruch von Metall, die Druckerschwärze an den Fingern, die Gewissheit, dass jede kleine Ungenauigkeit erbarmungslos sichtbar wird. Aber auch die Erfahrung, dass das anfängliche Suchen der Lettern sich beschleunigt, wenn das System erst einmal durchschaut ist. Schließlich der spannende Augenblick, wenn das Druckergebnis zum ersten Mal sichtbar wird. Wird es dem strengen Meister genügen?

Lernzielkontrolle
Die theoretische „Gesellenprüfung“ fand schließlich mit Herrn Altstädt bei Radio Ockerwelle statt. Ein ausgewähltes Sprecher-Team saß zusammen mit Herrn Uhlenhut im Aufnahmeraum, eine große Schar Mitschüler und Mitschülerinnen drückte aufmerksam zuhörend die Daumen für ein gutes Gelingen. Würden Herrn Altstädts Fragen sendetauglich beantwortet werden können? Die Aufregung war groß, die Anspannung hoch. Solch eine Prüfung ist viel lebensnaher und nachhaltiger als jeder von mir am Schreibtisch erdachte Test über Gutenberg und seine Erfindung. Und größte Belohnung war die gelöste heitere Stimmung nach Beendigung der der Sendung.

Am Leben lernen
Sie, lieber Herr Uhlenhut und Sie, lieber Herr Altstädt, haben einen wertvollen Beitrag geleistet, indem sie ihr fachkundiges Wissen an die jungen Menschen fernab des gewohnten Schulbetriebs weitergegeben haben.
Wie ich letztens während des Aufnahmetermins im Sender Radio Okerwelle erfuhr, war meine 7. Klasse der Freien Waldorfschule Braunschweig bereits die fünfte Klasse, die Herr Uhlenhut unter seine Fittiche genommen hatte.

Ich möchte Ihnen beiden Meistern Ihres Faches ein sehr herzliches Dankeschön sagen für die Möglichkeit, den Jugendlichen diese realen Erfahrungen in einer Zeit, die zu Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit verleitet, zu gewähren. Ich wünsche Ihnen alles Gute und danke für die wunderbare Zusammenarbeit.

 

Mit herzliche Grüßen                                   Lukrezia Müller